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Recht: Autos und Radfahrer – eine haftungsträchtige Begegnung?

Das Fahrradfahren erfreut sich als schnelles und wendiges Fortbewegungsmittel besonders in Städten immer größerer Beliebtheit. Wofür und in welcher Höhe Rad- und Autofahrer im Schadenfall haften, erfahren Sie hier.

Fahrradfahren erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit. Gerade auch in Innenstädten wird das Fahrrad als schnelles und wendiges Fortbewegungsmittel in Anspruch genommen. Dem tragen die Stadtplaner dadurch Rechnung, dass gesonderte Fahrradwege eingerichtet werden oder Einbahnstraßen auch in Gegenrichtung durch Fahrradfahrer benutzt werden können. Gerade hier fängt das Problem an, denn viele Radfahrer sehen Verkehrsregeln als unverbindliche Empfehlungen an. Schon das OLG Celle hat in einer Entscheidung aus dem Jahre 2010 von einer „verbreiteten und allgemein bekannten Disziplinlosigkeit von Radfahrern“ gesprochen.

Nicht selten können sich Fahrradfahrer schneller fortbewegen als Autofahrer. Dies gilt vor allem, wenn es zu einem Stau kommt und die Radfahrer sich zwischen den stehenden oder langsam fahrenden Autos durchschlängeln. Fährt der Radfahrer in einer unübersichtlichen Situation zu schnell und kommt es zu einer Kollision mit einem Auto oder einem anderen Verkehrsteilnehmer (auch Fußgänger), trifft den Radfahrer ein Mitverschulden, das auch leicht 75% des verursachten Schadens ausmachen kann, wie das OLG Brandenburg im Falle einer unangepassten Geschwindigkeit des Radfahrers festgestellt hat. Das Missliche: da es keine Pflichtversicherung für Fahrräder gibt, hängt die Werthaltigkeit der Forderung gegen den Radfahrer weitestgehend davon ab, ob eine private Haftpflichtversicherung vorhanden und eintrittspflichtig ist.

Häufig nutzen Radfahrer auch Fußgängerüberwege (Zebrastreifen), um schneller voranzukommen. Fakt ist aber, dass für Radfahrer auf Fußgängerüberwegen kein Vorfahrtsrecht besteht. Kommt es daher bei der Benutzung von Fußgängerüberweg als „Radwege“ zu einer Kollision mit einem Pkw, trifft den Radfahrer ein erhebliches Mitverschulden, das selbst 80% der Schadenssumme übersteigen kann. Um ein Vorfahrtsrecht beanspruchen zu können, müsste der Radfahrer vom Fahrrad absteigen und das Fahrrad schieben.

Besonders kritisch ist auch das Linksabbiegen von Radfahrern. Hier kommt es immer wieder zu kritischen Situationen, weil die Radfahrer zu spät ihre Abbiegeabsicht andeuten. Der Autofahrer jedenfalls ist seinerseits gehalten, den Fahrradfahrer genau zu beobachten. Das entbindet aber den Radfahrer nicht von seiner Verpflichtung, den von hinten herannahenden Verkehr zu beachten. Dies gilt umso mehr, wenn er von einem rechts gelegenen Fahrradweg nach links über zwei Fahrspuren abbiegen möchte. Ein unvermitteltes überqueren kann dann sogar den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit begründen (was aber wieder Einfluss auf seinen Versicherungsschutz hat).

Generell kann man aber festhalten, dass eine alleinige Haftung des Radfahrers bei Verkehrsunfällen die Ausnahme darstellt. Insofern wird dem Autofahrer regelmäßig aus dem Gesichtspunkt der Betriebsgefahr, die von seinem Fahrzeug ausgeht, eine Haftungsquote angelastet. Gleichwohl begründet der Umstand, dass der PKW der „stärkere“ Verkehrsteilnehmer ist, keinesfalls einen Haftungsausschluss für den „disziplinlosen“ Radfahrer. Insofern können auch Radfahrer mit Aussicht auf Erfolg in die Haftung genommen werden.

Autor:

Dr. Philip Schwartz
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verkehrsrecht
Dr. Hartleb Rechtsanwälte
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